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Der Kurische Reisekahn »MARIA«
Einblicke in die Geschichte eines ostpreußischen
Frachtseglers
von Werner Jaeger
Holz war über Jahrtausende hinweg das Material, das die Menschen hauptsächlich brauchten, um in der Lage zu sein, ein ihnen sonst nicht zugängliches Element, das Wasser, zu befahren. Insofern wurde Dank des Baus von hölzernen Schiffen eine größere Mobilität erreicht. Ozeane konnten gequert werden, und auch im Binnenbereich dienten Holzschiffe dazu, Menschen, Vieh, Waren und Güter relativ bequem und kostengünstig über größere Entfernungen zu transportieren. Weit vor Erfindung der Eisenbahn waren Schiffe die ersten Massenguttransporter, obwohl damals niemand auf die Idee gekommen wäre, sie so zu bezeichnen.
Erst ab der Mitte des letzten Jahrhunderts traten mit der fortschreitenden Industrialisierung zwei ernsthafte Konkurrenten auf, die den Holzschiffbau allerdings schon bald zur Bedeutungslosigkeit reduzierten. Der eine war der Schienenverkehr, der andere der Eisenschiffbau. Beide kämpfen auch heute noch um das Vorrecht, das umweltfreundlichste Verkehrsmittel für den Gütertransport der Zukunft zu sein.
Wenn auch der Holzschiffbau eine abgeschlossene Epoche der Geschichte darstellt, sollte das Wissen darüber jedoch nicht der Nachwelt verschlossen sein. Den Menschen, die daran mitgewirkt haben, soll hiermit eine kleine Würdigung ihrer Fähigkeiten, Künste und Mühen beim Bau von Kähnen zuteil werden. Allerdings sollte auch ein zweiter Aspekt nicht zu kurz kommen. Die Kenntnis der Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie des sozialen Umfelds von Kahnbauern und -schiffern hilft, geschichtliche Prozesse besser einordnen und damit werten zu können. Eine derartige Beschäftigung mit historischen Inhalten setzt uns in die Lage, nicht nur über die Kunstfertigkeit zu staunen, sondern auch aus der Geschichte zu lernen.
Der Holzschiffbau Ostpreußens stellt allerdings über das bisher Gesagte hinaus insofern noch eine weitere Besonderheit dar, als nicht nur die Technologie vergangen ist, sondern auch diese Provinz.
Durch die Dokumentation des Kahns »Maria«, der als eines der wenigen Zeugnisse dieser
vergangenen Epoche so lange erhalten blieb, bis er eingehend erforscht war, wird eine Spur in die
Vergangenheit gelegt, um das Dunkel der Geschichte zumindest in einigen Punkten zu erhellen.
Daher ist das Verdienst Werner Jaegers umso höher zu bewerten, als durch seine Arbeit ein Stück
Kulturgeschichte vor dem Vergessen bewahrt werden konnte.
Zeitgleich mit diesem Werk des Schiffshistorikers Werner Jaeger erscheint im selben Verlag sein
Buch über den Bau der Fischerkähne am Kurischen Haff.
INHALT
Vorwort der Herausgeberin
Vorwort Der Schiffstyp Geschichtliches Zur Entwicklung des Typs 13 Die Wasserstraßen Ostpreußens Der Reisekahn »Maria« Geschichte des Kahns Technische Beschreibung Die Reparatur von 1928 Die Tagebücher der »Maria« Einführung Schilderung der Fahrten 1928 und 1933 Übersicht über die Fahrten 1924 - 1937 Zur wirtschaftlichen Lage der Familie Adomeit 1924 - 1937 |
Nachwort
Registerteil Kleines Wörterbuch Register der Reisekähne Verzeichnis der Schiffer Vorkommen von Reisekähnen Anmerkungen Literaturverzeichnis Archivalien Bildnachweis |